• Dachgeschoss der Wehrkirche Edlitz mit vielen Holzbalken und Steinmauer, durch eine Fensteröffnung in der Mauer kommt Licht in den Raum.
    ©Wiener Alpen, Christian Kremsl

Wehrkirchen

Wo ein Brathendl Geschichte schrieb

Zum Wehrkirchen-Wandern in die Bucklige Welt

Die Wehrkirchenstraße zwischen Edlitz und Katzelsdorf ist ein 120 Kilometer langes Freiluftmuseum von europaweit einzigartiger historischer Bedeutung. Man ist aber noch lange kein Banause, wenn man nur wegen der herrlichen Landschaft und der gemütlichen Wirtshäuser vorbeikommt. 

Wehrkirchenstraße

Wie kann eine so schöne Gegend nur eine so schaurige Vergangenheit haben? Dicht an dicht hockten die Kirchschlager, Krumbacher oder Schönauer Bäuerinnen und Bauern zitternd im Halbdunkel ihrer Wehrkirchen, wann immer feindliche Armeen vor drei-, vier-, fünfhundert Jahren ihr Leben bedrohten. Hinter den feuerfesten Steinmauern ihrer zu Befestigungsanlagen ausgebauten Dorfkirchen waren sie sicher, wenn Osmanen und Kuruzen brandschatzend durchs Land zogen. In den schwersten Stunden verließ sich die Bevölkerung im Gotteshaus aber nicht allein auf den himmlischen Beistand. Mit ihren Vorratskammern und Schießscharten, Zinnen und Pechnasen waren die Wehrkirchen der Buckligen Welt hocheffektive Schutzbunker für unsere Vorfahren. Und für uns Ausflügler:innen von heute? Sind sie architektonisch einzigartige Zeugen einer bis ins Mittelalter zurück reichenden Geschichte.

  • ©Wiener Alpen, Franz Zwickl

    Berg- und Felsenkirche Pitten

    2823 Pitten
  • ©Gemeinde Hochneukirchen-Gschaidt

    Pfarrkirche Hochneukirchen

    Kirchengasse 1, 2852 Hochneukirchen
  • ©Walter Strobl, www.audivision.at

    Pfarrkirche Hochwolkersdorf

    Kirchenplatz 1, 2802 Hochwolkersdorf (Dorf)
  • ©Walter Strobl, www.audivision.at

    Pfarrkirche Hollenthon

    Pfarrplatz 1, 2812 Hollenthon
  • ©Kupferstich

    Pfarrkirche Katzelsdorf

    Eichbüchler Straße 97, 2801 Katzelsdorf
  • ©Thermengemeinden

    Pfarrkirche Ofenbach

    Kirchenweg, 2821 Lanzenkirchen
  • ©Walter Strobl, www.audivision.at

    Pfarrkirche Scheiblingkirchen

    Schulgasse 29, 2831 Scheiblingkirchen
  • ©Walter Strobl, www.audivision.at

    Pfarrkirche Thernberg

    Markt 3, 2832 Thernberg
  • ©Walter Strobl, www.audivision.at

    Pfarrkirche Wiesmath

    Hauptplatz 1, 2811 Wiesmath
  • ©Walter Strobl, www.audivision.at

    Wehrkirche Bad Schönau

    Erlenbachgasse 5, 2853 Bad Schönau

Das Wichtigste auf einen Blick

Wenige Menschen, dafür nur die freundlichsten

Doch warum wurden gerade in der Buckligen Welt Wehrkirchen errichtet? Die unübersichtliche Topographie, die vielen kleinen Dörfer und der Mangel an mächtigen Burgen verlangten in Mittelalter und Neuzeit eine Alternative für den Schutz der Bevölkerung in unruhigen Zeiten. Diese Lücke schlossen die schmucken Wehrkirchen, die im Alltag als Gotteshaus und bei Gefahr als Festungsanlage dienten.

Dass sie einmal eine Sehenswürdigkeit für Ausflügler:innen sein würden, hätte man sich damals nicht vorstellen können. Die Wehrkirchen der Buckligen Welt sind heute der Stolz von 13 Orten, die an der rund 120 Kilometer langen Wehrkirchenstraße aufgefädelt sind. Weil man in der Region das Geld nie aus dem Fenster hinauswarf, blieben die imposanten Bauwerke über die Jahrhunderte unverändert als Kulturschätze erhalten. Und noch etwas hat sich nie verändert: Zwischen den Ortschaften blieb die Bucklige Welt still und naturbelassen. Auf Wander- und Radwegen bleibt man deshalb fernab vom Autoverkehr entspannt für sich. Dafür begegnen die Locals ihren Besucher:innen in bodenständigen Wirtshäusern und Restaurants mit besonders gastfreundlicher Herzlichkeit – für viele zumindest ein Mitgrund, immer wieder hierher zu kommen. 

Innenraum der Wehrkirche Edlitz mit Kanzel, Bänken, Säule in der Mitte und höher gelegener Chor mit Orgel
©Wiener Alpen, Christian Kremsl

Reiche Geschichte, spannende Geschichten

Jede der fünfzehn Wehrkirchen in der Buckligen Welt hat ihre eigene, ganz individuelle Geschichte. Die von der erstmals 1350 erwähnten Pfarrkirche von Wiesmath ist besonders einprägsam. Nach den Türken wüteten in der Buckligen Welt die Kuruzen (darum auch unser Ausruf „Kruzitürken!“), in Wiesmath wehrte man sich am tapfersten. Der alte Goldhofer, ein Wiesmather Bauer, war noch frecher als seine Nachbarn: Er schoss dem Anführer des Kuruzenheeres vom Kirchturm aus mit der Armbrust ein Brathuhn aus der Hand. Im entstehenden Tumult gelang den Dorfbewohnern ein Überraschungsangriff, der die Feinde nachdrücklich vertrieb. 

Mehr als hier Platz ist, gäbe es auch vom Backofen in der Lichtenegger Wehrkirche zu erzählen, von der geheimen Höhle hinter der Wehrkirche in Pitten oder von den Guss-Erkern der Wehrkirche Edlitz, aus denen Angreifer mit Pech und heißem Wasser begrüßt wurden. Ausreichend Zeit dafür nimmt sich die Multimedia-Ausstellung der Wehrkirchendokumentation in Edlitz, als Einstimmung vor dem Ausflug macht auch eine virtuelle Tour Lust auf mehr.

Mit Rennrad, E-Bike oder Wanderschuhen

Wer das in Europa fast einzigartige Wehrkirchen-Erbe der Buckligen Welt entdecken möchte, wählt dafür am besten ein Fortbewegungsmittel, mit dem die schöne Landschaft nicht zu schnell vorüberfliegt – zum Beispiel das gute alte Fahrrad. Unter Rennradler:innen gilt die Bucklige Welt als Traumdestination, Sportliche absolvieren die rund 120 Kilometer lange, klar beschilderte Wehrkirchenstraße am Stück. Am E-Bike darf man die Strecke ruhig auch gemütlicher portionieren – oder vom zentralen Urlaubsort aus unterschiedliche Wehrkirchen in allen Himmelsrichtungen ansteuern. Lieber zu Fuß unterwegs? Fast jede Wehrkirche ist an lokale Wanderrouten angebunden. 

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