Wehrkirchen sind fest gemauerte, mit Zinnen, Pechnasen und Schießscharten befestigte Kirchen, in denen die Bevölkerung früher in Kriegszeiten Zuflucht fand. Die ältesten Belege für Wehrkirchen in der Buckligen Welt stammen aus dem 13. Jahrhundert.
Die Wehrkirchenstraße zwischen Edlitz und Katzelsdorf ist ein 120 Kilometer langes Freiluftmuseum von europaweit einzigartiger historischer Bedeutung. Man ist aber noch lange kein Banause, wenn man nur wegen der herrlichen Landschaft und der gemütlichen Wirtshäuser vorbeikommt.
Doch warum wurden gerade in der Buckligen Welt Wehrkirchen errichtet? Die unübersichtliche Topographie, die vielen kleinen Dörfer und der Mangel an mächtigen Burgen verlangten in Mittelalter und Neuzeit eine Alternative für den Schutz der Bevölkerung in unruhigen Zeiten. Diese Lücke schlossen die schmucken Wehrkirchen, die im Alltag als Gotteshaus und bei Gefahr als Festungsanlage dienten.
Dass sie einmal eine Sehenswürdigkeit für Ausflügler:innen sein würden, hätte man sich damals nicht vorstellen können. Die Wehrkirchen der Buckligen Welt sind heute der Stolz von 13 Orten, die an der rund 120 Kilometer langen Wehrkirchenstraße aufgefädelt sind. Weil man in der Region das Geld nie aus dem Fenster hinauswarf, blieben die imposanten Bauwerke über die Jahrhunderte unverändert als Kulturschätze erhalten. Und noch etwas hat sich nie verändert: Zwischen den Ortschaften blieb die Bucklige Welt still und naturbelassen. Auf Wander- und Radwegen bleibt man deshalb fernab vom Autoverkehr entspannt für sich. Dafür begegnen die Locals ihren Besucher:innen in bodenständigen Wirtshäusern und Restaurants mit besonders gastfreundlicher Herzlichkeit – für viele zumindest ein Mitgrund, immer wieder hierher zu kommen.
Jede der fünfzehn Wehrkirchen in der Buckligen Welt hat ihre eigene, ganz individuelle Geschichte. Die von der erstmals 1350 erwähnten Pfarrkirche von Wiesmath ist besonders einprägsam. Nach den Türken wüteten in der Buckligen Welt die Kuruzen (darum auch unser Ausruf „Kruzitürken!“), in Wiesmath wehrte man sich am tapfersten. Der alte Goldhofer, ein Wiesmather Bauer, war noch frecher als seine Nachbarn: Er schoss dem Anführer des Kuruzenheeres vom Kirchturm aus mit der Armbrust ein Brathuhn aus der Hand. Im entstehenden Tumult gelang den Dorfbewohnern ein Überraschungsangriff, der die Feinde nachdrücklich vertrieb.
Mehr als hier Platz ist, gäbe es auch vom Backofen in der Lichtenegger Wehrkirche zu erzählen, von der geheimen Höhle hinter der Wehrkirche in Pitten oder von den Guss-Erkern der Wehrkirche Edlitz, aus denen Angreifer mit Pech und heißem Wasser begrüßt wurden. Ausreichend Zeit dafür nimmt sich die Multimedia-Ausstellung der Wehrkirchendokumentation in Edlitz, als Einstimmung vor dem Ausflug macht auch eine virtuelle Tour Lust auf mehr.