Die Passionsspiele sind fest mit der Kultur in der Buckligen Welt und ganz besonders mit der Stadt Kirchschlag und ihren Bewohner:innen verbunden. Seit Generationen bringen sie Menschen aus dem Ort und der Umgebung zusammen, die sich freiwillig auf und hinter der Bühne engagieren. Über Monate wird geprobt, vorbereitet und gemeinsam auf die Aufführungen hingearbeitet. Dabei wirken rund 500 Schauspielende und Helfende bei den alle 5 Jahre stattfindenden Vorstellungen mit.
Dass ein Passionsspieljahr bevorsteht, ist im Ort einfach zu erkennen: Nämlich an den vielen Bärten, die sich männliche Mitwirkende für ihre Rollen wachsen lassen.
Als Pfarrer Franz Füssl 1932 die Passionsspiele in Kirchschlag ins Leben rief, waren es schwierige Zeiten für die Bewohner:innen der Buckligen Welt. Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und Not bestimmten den Alltag. Gerade jungen Kirchschlager:innen wollte Pfarrer Füssl eine sinnvolle Aufgabe geben und den Zusammenhalt stärken.
Gemeinsam packten viele freiwillige Helfer:innen an und verwandelten einen alten Stadl des Pfarrhofs in das erste Passionsspielhaus mit Platz für rund 400 Besucher:innen. Etwa 150 junge Schauspieler:innen wirkten unentgeltlich an den Aufführungen mit. Das Gemeinschaftsprojekt entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einer renommierten Veranstaltung, die im 1959 neu gebauten Spielhaus bis zu 200.000 Besucher:innen anzog.
Heute ist das Passionsspielhaus in Kirchschlag in der Buckligen Welt mit gepolsterten, bequemen Sitzen und acht Rollstuhlplätzen ausgestattet. 816 Gäste finden pro Vorführung Platz. Durch die hellenistischen Stil und die freitragende Bauweise bietet jeder Platz eine gute Sicht auf die Bühne.
Eine architektonische Besonderheit ist der “Schuster-Himmel”. Dieser sorgt für Besucher:innen für den Eindruck, inmitten einer Lichtung unter dem Sternenhimmel zu sitzen. Dieses Meisterwerk der Bau- und Beleuchtungstechnik ist ebenso wie die ausgezeichnete Akkustik dem Theaterarchitekten Dipl. Ing. Dr. techn. Alexander Schuster zu verdanken, nach dessen Plänen das Passionsspielhaus gebaut wurde.
Nach der Vorstellung muss es nicht gleich nach Hause gehen. Mit einer oder zwei Übernachtungen bleibt Zeit, Kirchschlag und die Bucklige Welt in Ruhe kennenzulernen. Das 3-Sterne-Superior-Hotel Post – Hönigwirt und der Gasthof Bräuhaus Kogelbauer eignen sich bestens dafür. Beides sind traditionelle Familienbetriebe mitten im Ortszentrum und liegen nur wenige Minuten zu Fuß vom Passionsspielhaus entfernt.
Auch zur Einkehr bietet Kirchschlag einige Besonderheiten: Der Hönigwirt ist Mitglied der Niederösterreichischen Wirtshauskultur und mit einer Falstaff-Gabel ausgezeichnet. Wenige Autominuten entfernt weiter verbindet die Kräuterwirtin Gerda Stocker in Lembach ihre Haubenküche mit Kräuterwanderungen und Kochkursen. Wer sich vor dem Essen gerne die Beine vertritt, erreicht sie auch über einen Wanderweg ab Kirchschlag.
Am nächsten Tag bleibt Gelegenheit, die Umgebung zu erkunden – etwa bei einem Ausflug zur Burgruine Kirchschlag oder ins Museumsdorf Krumbach. Auch das Sconarium Bad Schönau und die Eis-Greissler Welt lohnen einen Abstecher. Alles muss sich dabei nicht an einem Wochenende ausgehen: Fabelhaft Niederösterreich, die Pitten Classics sowie Konzerte im Sconarium und im Wehrobergeschoss Hochneukirchen bieten gute Gründe, wiederzukommen.
Der Anreise ist überschaubar: Von Wien und Graz aus erreicht man die Bucklige Welt in rund einer Autostunde. Wer das Auto zu Hause lassen möchte, kann auch mit Bahn und Bus anreisen.