100 Jahre Theater Reichenau
Bühnen mit unzähligen Geschichten
Bühnen mit unzähligen Geschichten
Reichenau an der Rax war bereits im 19. Jahrhundert ein beliebter Ort der Sommerfrische. Künstler, Intellektuelle und wohlhabende Gäste suchten hier Erholung. Mit der steigenden Bedeutung des Kur- und Fremdenverkehrs wurde bald klar, dass Reichenau eine eigene Spielstätte benötigte, die den Anforderungen an Bühne und Sitzplatzkapazität gerecht wurde. Es brauchte eine Attraktion für die Gäste der Sommerfrische. Federführend bei dieser Idee waren der Gesang- und Orchesterverein Reichenau (heute Singgemeinschaft Payerbach-Reichenau) sowie die Thalhofwirtin. In Reichenau klagte man damals über fehlende Bühnen- und Probenlokale. So geschah der Theaterbau auf Anregung des früheren Obmannes der Singgemeinschaft Payerbach-Reichenau, August Humpel. 1922 erwarb die Gemeinde das sogenannte „Viererwerk“, eine ehemalige Holzschleiferei der Unternehmerfamilie Waissnix. Das Gebäude war längst nicht mehr industriell genutzt und eignete sich ideal für den Umbau zu einem Theater- und Konzerthaus.
Am 1. August 1926 wurde das neue Theater feierlich eröffnet. Unter Mitwirkung des Gesang- und Orchestervereins Reichenau brachte das Wiener Operetten-Ensemble unter der Leitung von Hans Stilp Johann Strauss’ Operette Die Fledermaus auf die Bühne – jenes Werk, das 2026 im Jubiläumsjahr erneut gespielt wird und damit eine besondere Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt.
In den folgenden Jahren gastierten zahlreiche renommierte Ensembles in Reichenau, darunter die Wiener Sängerknaben und das Wiener Staatsopernballett. Auf dem Spielplan standen vor allem Operetten, Singspiele, Schwänke und Klassiker.
Ab 1931 ergänzten regelmäßige Filmvorführungen das Theaterprogramm; 1989 wurde der Kinobetrieb aber eingestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden hier Aufführungen von Laienspielgruppen sowie Gastspiele statt, zudem war das Bergbau- und Heimatmuseum Reichenau einige Jahre im Theater untergebracht. Zwischen 1972 und 1987 prägte Erich Koller mit seinen Operetten-Sommerspielen das kulturelle Leben in Reichenau.
Ein entscheidender Wendepunkt kam 1988 mit der Gründung der Festspiele Reichenau durch Renate und Peter Loidolt. Das Programm wurde erweitert, neue Spielstätten – etwa das Südbahnhotel Semmering – erschlossen und das Theatergebäude mehrfach renoviert sowie an moderne Erfordernisse angepasst.
2003 war das Theater gemeinsam mit dem Schloss Reichenau Schauplatz der Niederösterreichischen Landesausstellung „Theaterwelt – Welttheater“. 2005 wurde der Neue Spielraum eröffnet.
In der Region feiert nicht nur das Theater sein Jubiläum. Auch die Rax-Seilbahn nahm im Jahr 1926 ihren Betrieb auf. Im selben Jahr eröffneten der Golfplatz Semmering sowie die Höllentalbahn, die damals den Personenverkehr aufnahm. Darüber hinaus blicken zahlreiche weitere Betriebe und Einrichtungen der Region auf viele Jahre Geschichte zurück, wie die Singgemeinschaft Payerbach-Reichenau.
Am Gewinnspiel teilnehmen, spannende Geschichten hinter den Jubiläen entdecken und das Jahr der Jubiläen 2026 in der Semmering-Rax-Region erleben.