Die Semmeringbahn ist Europas erste Hochgebirgsstrecke auf der Normalspur. Auf der Strecke von Gloggnitz bis zum Scheitelpunkt überwindet sie eine Höhendifferenz von rund 500 Metern.
Der Bau der Semmeringbahn läutete im Kaiserreich die Moderne ein und verwandelte die Region zum Tourismus-Hotspot. Noch heute beeindruckt das architektonische Meisterwerk Besucher:innen aus aller Welt. Dahinter verbirgt sich aber auch die inspirierende Geschichte eines Mannes, der gegen alle Widerstände an seine Vision geglaubt hat.
Wenn ich einer Touristengruppe die Kalte Rinne zeige, steht den Leuten der Mund offen. So haben schon die Schaulustigen in der Mitte des 19 Jahrhunderts dreingeschaut, die extra von Wien hierher gereist sind, um beim Bau der Bahn zuzusehen.
Die 1998 zum UNESCO Welterbe ernannte Semmeringbahn ist aber nicht nur ein bedeutender Kulturschatz, sie blieb bis heute ein essenzieller Verkehrsweg.
Manche Touristen erwarten eine Museumsbahn, dabei nützen noch immer jeden Tag bis zu 200 Züge die historische Trasse.
„Carl von Ghega war schon mit 18 Jahren Professor der Mathematik, ein geborenes Genie. Doch als er ankündigte, eine Eisenbahn über den Semmering bauen zu wollen, um Wien mit Triest zu verbinden – da erklärten ihn alle für verrückt“, sagt Horst Schröttner. Der Altbürgermeister von Semmering und Obmann des Vereins der Freunde der Semmeringbahn kann viele Geschichten über die Bedeutung des UNESCO Welterbes Semmeringbahn erzählen. Aber die vom österreichischen Ingenieur Carl Ritter von Ghega (1802-1860) ist die inspirierendste. „Als Ghega 1844 von seiner Studienreise aus den USA zurückkehrte, hatte er zwar alle Baupläne fertig gezeichnet“, sagt Schröttner, „Doch es gab ein Problem: Die Öffentlichkeit und vor allem die Architekten- und Ingenieursgemeinschaft liefen Sturm gegen seine Ideen und hielten sie für undurchführbar.“
Ghega ließ sich davon nicht beirren: Er beschränkte die Maximalsteigung auf 28 Promille, verband Gegenhänge mit Brücken und Viadukten und verdoppelte auf seiner kurvigen, an die natürliche Landschaft orientierten Trasse die Luftlinie um das Doppelte. Innerhalb von nur sechs Jahren bauten 20.000 Arbeiter:innen mit für heutige Verhältnisse primitiven technischen Mitteln (das Dynamit wurde erst zwölf Jahre später erfunden!) Europas erste Hochgebirgsbahn. Die Kosten dafür betrugen rund 24,6 Millionen Gulden. Das wären heute etwa 268 Millionen Euro.
Obwohl er bereits davor in den Ritterstand erhoben wurde, durfte Ghega seinen ultimativen Triumph nicht mehr erleben: Nach seinem Tod errichteten seine einst erbittertsten Gegner einen Gedenkstein, auf dessen Inschrift sie zerknirscht ihren Irrtum einräumten und Ghega Respekt zollten. Er steht heute vorm Ghega-Museum in Breitenstein.