Geschichte Wiener Neustadts

Zwischen Geschichte und Gegenwart

Wo Vergangenheit lebendig wird: Entdecken Sie die faszinierende Geschichte Wiener Neustadts und erleben Sie, wie sich die Stadt von ihren Ursprüngen über bedeutende historische Epochen bis in die Gegenwart entwickelt hat.

Von der Stadtgründung durch die Babenberger über den Zweiten Weltkrieg bis hin zu dem, was Wiener Neustadt heute ausmacht.

Die Militärakademie in Wiener Neustadt mit angeschlossenen Akademiepark.
©© Wiener Alpen/Christoph Schubert

Gründung durch die Babenberger

Im ausgehenden 12. Jahrhundert entschloss sich der Babenberger Herzog Leopold V., inmitten der Ebene des südöstlichen Steinfeldes eine stark befestigte Stadt zu gründen. Für den Bau der „Neuenstat“ wurde ein Teil des Lösegeldes für den englischen König Richard Löwenherz, der in Dürnstein gefangen gehalten wurde, verwendet. Insgesamt wurden 23 Tonnen Silber gezahlt, was dem gesamten Silberbestand des britischen Königreiches entsprach.  

Durch Verleihung wichtiger Privilegien gedieh die neue Stadt ausgezeichnet. Schon um das Jahr 1200 wurde mit dem Bau der spätromanischen Pfarrkirche „Zu unserer Lieben Frau“, dem heutigen Wiener Neustädter Dom, begonnen. Noch in der Babenbergerzeit entstand auch die viertürmige Burganlage in der Südostecke der Stadt, die spätere Militärakademie

Habsburger & Belagerungen

Ihre Blütezeit erlebte die Stadt Wiener Neustadt im 15. Jahrhundert, als sie Kaiser Friedrich III. viele Jahrzehnte hindurch als Residenz diente. Hier, in der Neustädter Burg, wurde im Jahre 1459 Friedrichs berühmter Sohn, der spätere Kaiser Maximilian I., geboren. Er fand in der prachtvollen St. Georgs-Kathedrale der Burg seine letzte Ruhestätte (1519). Im Jahre 1469 erfolgte die Gründung eines Bistums in Wiener Neustadt.

Nach fast zweijähriger Belagerung durch die Ungarn musste die ausgezeichnet befestigte und vorbildlich verteidigte Stadt Wiener Neustadt im August 1487 schließlich doch ihre Tore dem ungarischen König Matthias Corvinus und seinen Truppen öffnen. Ein großer, silberner, vergoldeter und mit ungarischem Drahtemail reich verzierter Prunkpokal, der „Corvinusbecher“ - der Legende nach ein Geschenk des Ungarnkönigs an die Wiener Neustädter - erinnert heute noch an diese Zeit. Der Corvinusbecher befindet sich im Museum St. Peter an der Sperr.

Erst im Sommer 1490, also nach dreijähriger ungarischer Besetzung, gelang es dem jungen König Maximilian I., seine Vaterstadt wieder zurückzuerobern.

Im 16. Jahrhundert verlor die Stadt Wiener Neustadt, die nun nicht mehr Residenz war, sehr an Bedeutung. Ihre ursprüngliche Funktion, als Bollwerk gegen den Osten zu dienen, erfüllte die Stadt jedoch auch in der Neuzeit hervorragend und hielt sich tapfer gegen Türken und Kuruzen.

Maria Theresia gründet Militärakademie

Von größter Bedeutung für die Stadt war der 1751 gefasste Entschluss Maria Theresias, in der kaiserlichen Burg zu Wiener Neustadt ein adeliges Kadettenhaus einzurichten: diese berühmte „Theresianische Militärakademie“, in der 1752 der Unterricht aufgenommen wurde, besteht (von kurzfristigen Unterbrechungen abgesehen) bis zum heutigen Tag. Damit ist sie die älteste Militärakademie der Welt. Die Militärakademie ist die einzige Ausbildungsstätte für Offiziere des österreichischen Bundesheeres. Seit einigen Jahren hat die Militärakademie auch die Anerkennung als Fachhochschul-Studiengang für „Militärische Führung“, wodurch die Ausbildung noch weiter aufgewertet wurde.

Flugfeld & Weltkrieg

Im Jahre 1909 ließ die Stadtgemeinde zur Förderung des mechanischen Flugwesens im Norden der Stadt ein Flugfeld anlegen, auf dem bereits 1911 die 1. österreichische Flugwoche abgehalten wurde. Das Wiener Neustädter Flugfeld, auf dem Flugpioniere wie Igo Etrich, Karl Illner und Adolf Warchalowski ihre Flugversuche unternahmen, war das erste offizielle österreichische Flugfeld und ist heute der älteste Naturflugplatz Europas.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 kam es in Wiener Neustadt zu einer Konzentration kriegswichtiger Industrie. Die „Wiener Neustädter Flugzeugwerke“ lieferten 1940 bereits ein Viertel der Gesamtproduktion der (Messerschmitt)-109- Jagdflugzeuge. In den Anlagen der etablierten ehemaligen Wiener Neustädter Lokomotivfabrik „Rax-Werken“ wurden nicht nur Lokomotivtender gebaut, sondern hier ist 1943 auch mit der Montage von A-4- Raketen begonnen worden. All dies führte dazu, dass Wiener Neustadt im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig durch Bomben zerstört wurde: rund 50.000 Bomben legten die alte Babenbergerstadt in Schutt und Asche.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges brannte die "Burg zu Wiener Neustadt" restlos aus. Am 14. Dezember 1958, dem Stiftungstag der Militärakademie, wurde das wiederaufgebaute Gebäude dem Bundesheer in einem Staatsakt als Offiziersausbildungsstätte übergeben.

Ehe mit dem Wiederaufbau begonnen werden konnte, mussten tausende Tonnen Schutt aus der Stadt entfernt werden: 1946 rief die Stadtverwaltung die Bevölkerung zum freiwilligen Arbeitseinsatz auf. Diesem Aufruf zur Schutträumung wurde ohne Ausnahme Folge geleistet. Als im Jahre 1955 Österreich durch den Staatsvertrag seine Freiheit wiedererlangt und die Besatzungstruppen das Land verlassen hatten, war auch der Wiederaufbau der am schwersten zerstörten Stadt Österreichs zum größten Teil abgeschlossen. Einer gedeihlichen Entwicklung Wiener Neustadts zum unbestrittenen Mittelpunkt des südöstlichen Niederösterreich stand nun nichts mehr im Wege.

Familien im Museum.
©Busy Shutters

Geschichte hautnah

Entdecken Sie die Geschichte Wiener Neustadts im Museum St. Peter an der Sperr, dem ältesten Stadtmuseum Österreichs.

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